Zeitreise in die deutsche Teilung
Der Deutsch-deutsche Austausch auf den Spuren der Berliner Mauer

Bereits zum 17. Mal begaben sich Schüler unseres Elisabeth-Gymnasiums und des Robert-Bosch-Gymnasiums Gerlingen auf eine spannende Zeitreise in die deutsch-deutsche Geschichte.
Der 55. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer war Anlass genug, sich einem düsteren Kapitel der deutschen Teilung intensiver zu widmen, das so viel Leid in deutsche Familien brachte.

Im Vorfeld des Austausches wurden in beiden Gymnasien je 15 interessierte Schüler ausgelost und in Kleingruppen mit ersten Rechercheaufgaben beauftragt, um sich mit der Materie vertraut zu machen. Im Hintergrund organisierten die Austauschlehrer Übernachtungen und Busfahrten, planten Museumsbesuche und Führungen, wofür sie auch Zeitzeugen gewinnen konnten.

Der Austausch begann am Freitag mit der Ankunft der Gerlinger am Hauptbahnhof Halle. Nach einem späten gemeinsamen Mittagessen im ELG führten die Geschichtslehrer in die Thematik ein und die Gruppen begannen mit der Sichtung ihres bisher zusammengetragenen Materials. Zudem erhielten sie Arbeitsaufträge für unseren Besuch in Berlin, die dann am Samstag und Sonntag für ausreichend Beschäftigung sorgten.



Am Montag, pünktlich um 7:30, fuhren wir mit dem Bus nach Berlin und wurden an unserer Unterkunft, dem Jugendgästehaus der Diakonie am Hauptbahnhof, abgesetzt. Nach dem Check-in erwartete uns eine Führung im Stasi-Gefängnis in Hohenschönhausen. Die zentrale Lage ermöglichte es, viele unserer Ziele zu Fuß oder zügig mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Viele Baumaßnahmen in der Hauptstadt und Probleme bei der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG) machten das Fahren mit den Öffentlichen jedoch zum Abenteuer. Auch die Hilfe zahlreicher, dafür konzipierter, Apps brachte uns nicht schneller zum Ziel.
Das zentrale Stasi-Gefängnis der DDR in Berlin-Hohenschönhausen empfing uns bei kühlem und trübem Herbstwetter und verlieh diesem Ort zusätzlich eine gewisse unangenehme Wirkung.



Ähnlich unangenehm und bedrückend war auch das, was uns während der Führung über die Haftbedingungen, den Alltag und das Schicksal einzelner Insassen berichtet wurde. Entlang winziger Zellen, in denen bis zu zehn Menschen inhaftiert waren, vorbei an Verhörzimmern, wo politische Gefangene der Willkür des Machtapparats Stasi ausgeliefert waren, wurde das perfide System erklärt.
Um dieses Erlebnis verarbeiten zu können und auf andere Gedanken zu kommen, war danach Freizeit angesetzt. Dafür bietet Berlin mit seinen zahlreichen Sehenswürdigkeiten, kulturellen Highlights und natürlich den Shopping-Möglichkeiten optimale Abwechslung. Letzteres wurde in der „Mall of Berlin“ und im „Lafayette“ ausgiebig genutzt.
Ein gemeinsames Rufen, „Frau Merkel, guck einmal“, am Treffpunkt Kanzleramt, ließ unsere Regierungschefin leider nicht von ihrem Schreibtisch locken, obwohl sie nach Aussage des Sicherheitspersonals noch im Hause war.

Der folgende Tag war mit zwei Programmpunkten gespickt, die unmittelbar mit der Mauer und dem Leben mit der Teilung zu tun hatten. Im Mauermuseum am „Checkpoint Charlie“ wurde uns unter anderem von der dramatischen Arbeit der Fluchthelfer und ihren waghalsigen Aktionen, Menschen von Ost nach West zu schleusen, berichtet.



Nachmittags erfuhren wir im sogenannten „Tränenpalast“, am S-Bahnhof Friedrichstraße, wie die Abwicklung des Ein- und Ausreiseverfahrens von Besuchern vor und nach dem Mauerbau gehandhabt wurde und wie der S-Bahn-Verkehr im geteilten Berlin funktionierte.

Der Mittwoch begann mit der Reinigung der Zimmer und der Abnahme durch die Hausleitung des Jugendgästehauses um 8:30. Nach ausgiebiger Prüfung kam das OK, dass es nichts zu beanstanden gibt. Bis zur Rückfahrt am frühen Nachmittag war noch ein weiterer Besuch mit Führung geplant. Diesmal war der Treffpunkt an der „Gedenkstätte Berliner Mauer“, wo noch ein Abschnitt der ehemaligen Grenzanlage vorhanden ist.
Die Führung dort erhielt eine besondere Note, da sie von einem einstigen Flüchtling durchgeführt wurde, der bei einem Fluchtversuch verhaftet, dann verurteilt und später aus dem Stasi-Gefängnis freigekauft wurde. Er erläuterte die Funktionen der einzelnen Grenzabschnitte und die Abläufe im Falle eines „unerlaubten Grenzübertritts“.



An den noch erhaltenen Mauerabschnitten hatten die Schüler eine bessere Vorstellung von der Dimension und vom Aufbau der Grenzanlage, die von einem Aussichtspunkt gut zu überblicken war. Etwas gedrückte Stimmung war an einer Gedenkwand zu spüren, an der die Fotos der Maueropfer mit ihren Namen und Lebensdaten zu sehen waren. Ergriffen von dieser Situation, entzündeten einige Schüler spontan Kerzen und sorgten so wiederum bei unserem Mauer-Führer für positives Erstaunen.

Die Rückfahrt nach Halle verlief bis kurz vor die Tore der Stadt planmäßig, ehe uns ein Stau auf der B100 ca. 90 Minuten Zeitverzögerung brachte.

Der Donnerstag stand ganz im Zeichen der Projektarbeit und Vorbereitung der Präsentation, zu der auch die Eltern eingeladen waren. Die gelungene Präsentation und ein erfolgreicher Austausch wurden am Abend im Brauhaus gefeiert.

Am Freitag brachten alle Hallenser ihre Schlafgäste aus Gerlingen zum Bahnhof, und nach einer teils tränenreichen Verabschiedung und dem Verabreden von Gegenbesuchen, ging die hallesche Seite in die Reflexionsphase über.


M. Scheibe


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